„Etablierte unter Investitionszwang“

Der Geschäftsführende Direktor der AEB ist überzeugt, dass vor allem die Digitalisierung den Transport- und Logistikmarkt prägen wird.

Was sind aus Ihrer Sicht derzeit die Top-Trends im Transport- und Logistikmarkt?

Markus Meissner

Der Top-Trend im Transport- und Logistikmarkt ist weiterhin die Digitalisierung – und das wird auf absehbare Zeit so bleiben. Die Digitalisierung treibt Geschäftsmodelle und bringt etablierte Branchen entweder in Probleme oder unter Investitionszwang. Die Auswirkungen spüren die Unternehmen massiv.

Gleichzeitig bietet die Digitalisierung Chancen auf zusätzliche Umsätze durch neue, digitale Services sowie ein Effizienzpotenzial in vielen unterschiedlichen Bereichen: Von Ausschreibungen bis zur Zollabwicklung. Treiber sind hier unter anderem Engpässe beim operativen Personal, die beispielsweise die Entwicklungen beim autonomen Fahren oder der Lagerautomatisierung forcieren. Auf der anderen Seite ist der Personal- und Kompetenzmangel im IT-Umfeld ein Hemmschuh und Chancen-Verhinderer in Sachen Digitalisierung.

Ein weiterer Top-Trend, der uns ebenfalls noch eine Weile beschäftigen wird, ist der rasant wachsende E-Commerce. Hier sehen wir auch einen großen Bedarf an bezahlbaren Lösungen im Cross-Boarder E-Commerce, bei dem die Digitalisierung ebenfalls als Enabler wirkt.

Der E-Commerce ist aber auch einer der Mitverursacher von Umwelt- und Überlastproblemen in den Städten. Damit rückt die urbane Logistik weiter in den Fokus. Allerdings muss man hier feststellen: Bei dem Thema hinken die Konzepte deutlich der Realität hinterher.

Welche Erwartungen haben Sie für 2019?

Generell werden die politischen Rahmenbedingungen und eine hohe wirtschaftliche Unsicherheit das Jahr 2019 prägen. Daher ist eine Branchenprognose für das Jahr 2019 extrem schwierig. Dennoch haben wir unser dieser Aufgabe im Sachverständigenrat „Gipfel der Logistikweisen“ gestellt, den ich gemeinsam mit Prof. Christian Kille von der Hochschule Würzburg initiiert habe. So prognostizieren wir für den Wirtschaftsbereich Logistik ein Wachstum von 1,7 Prozent im laufenden Jahr. Kommt es allerdings etwa zu einer weiteren Eskalation in den Handelskonflikten oder zu einem harten Brexit, wäre selbst dieses moderate Wachstum gefährdet.

Positiver als für den gesamten Wirtschaftsbereich sind unsere eigenen Erwartungen als Softwareanbieter. Die Unternehmen arbeiten weiterhin intensiv an der Digitalisierung und Automatisierung ihrer Prozesse, sodass wir – wie in den vergangenen Jahren auch – eine steigende Nachfrage nach unseren Lösungen und Services verzeichnen.

Wo sehen Sie derzeit die größten Chancen/Risiken für den Welthandel?

Die größten Risiken liegen sicherlich in den politischen Rahmenbedingungen, die für eine hohe Unsicherheit sorgen. Herausforderungen wie beispielsweise die schwelenden Handelskonflikte, der zunehmende Protektionismus und Nationalismus sowie der Brexit können den Welthandel massiv beeinträchtigen. Risiken gehen auch von der Konjunktur in China aus. Die Anzeichen mehren sich, dass der Wachstumsmotor dort nicht mehr so hochtourig läuft. Natürlich liegen in diesen Themen auch Chancen: Wächst Chinas Wirtschaft wieder stärker oder werden Handelsstreitigkeiten beigelegt, dürfte das für zusätzliche Impulse sorgen.

Man kann der Situation aber auch positive Aspekte abgewinnen, nämlich dass wir alle lernen mit der zunehmenden Unsicherheit umzugehen. Durch regelmäßigere Planungen und agilere Vorgehensmodelle werden die Unternehmen flexibler. Sie können sich auf externe Schocks schneller einstellen und ihr Geschäft unmittelbarer darauf anpassen. Dadurch sind die Erholungszyklen letztendlich kürzer.