7. August 2019

3 Fragen an Turgut Erkeskin

Logistik-Hub Türkei: „Die massiven Investitionen greifen“

  • Logistik-Hub der Zukunft zwischen Ost und West
  • Treiber: China, neuer Flughafen, Infrastrukturprogramme
  • Vereinfachte Abläufe in der Zusammenarbeit

Die geostrategische Lage der Türkei als Drehkreuz zwischen Ost und West ist einzigartig, die Investitionen in die Logistikinfrastruktur sind massiv. Zu den aktuellen Entwicklungen drei Fragen an Turgut Erkeskin, Senior Vice President FIATA und Repräsentant des Business Council für Logistik als Teil des Foreign Economic Relations Board of Turkey (DEİK).

Wie positioniert sich die Türkei als Logistikstandort?
Nach der Krise mit Währungsabsturz und dem unausweichlichen Teufelskreis von Leerfahrten und steigenden Transportkosten wendet sich das Blatt. Wir sehen, wie die massiven Investitionen in unsere Infrastruktur greifen und wir unserem Ziel näherkommen. Langfristig positionieren wir uns als leistungsfähige Drehscheibe im Mittelmeerraum, als Gateway zu Nord-Afrika, Südost-Europa, Nahost sowie als Logistik-Hub für China als Teil der neuen Seidenstraße. Für Letztere können wir im mittleren Korridor mit unseren engen Verbindungen in den Kaukasus eine große Rolle spielen.

Was sind die wichtigen Meilensteine im Ausbau der Logistikinfrastruktur?
Ausländische Investoren haben großes Interesse an der Türkei. Allen voran China. Chinas größter Logistikdienstleister Sinotrans hat sich über ein Joint-Venture angesiedelt, das Land investiert in unsere Hafeninfrastruktur und ist aktuell auf der Suche nach Flächen für Logistik- und Industrieparks. Als einer der wichtigsten Meilensteine sehen wir unseren neuen Flughafen. Er geht in Kürze in Vollbetrieb und ab 2020 gibt es dort ein voll automatisiertes Warehouse. Wir rechnen damit, dass der Flughafen trotz seiner gigantischen Dimensionen auf lange Sicht eher zu klein als zu groß sein wird. Zusätzlich haben wir auf der Schiene im freien Wettbewerb viel mehr Spielraum für marktgerechte Lösungen. In unserem Masterplan, den wir nach deutschem Vorbild entwickelt haben, steht für diesen Verkehrsträger ein klares Ziel. Wir wollen die Schiene zu mindestens acht Prozent im Modal Split haben.

Eine leistungsfähige Logistikdrehscheibe braucht einfache Prozesse. Welche Entwicklungen sehen Sie in diesem Bereich?
Die Türkei ist ein Exportland. Wir wollen, dass die Geschäfte mit und in der Türkei leichter werden. Digitalisierung und vereinfachte Abläufe sind deshalb vor allem an den Grenzübergängen wichtig. Erste Maßnahmen haben die Warteschlangen schon von 20 auf fünf Kilometer verkürzt. Zukünftig wollen wir zum Beispiel komplett freie Fahrt, in dem Lkw schon vor Ankunft online „einchecken“ können. Die vereinfachten Abläufe in der Zusammenarbeit mit der Türkei sind auch als Teil der neuen Seidenstraße ein wesentlicher Aspekt. Vor dem Hintergrund der Belt-and-Road-Initiative, die Wirtschaftsräume verbindet, hat die Schiene im liberalisierten Wettbewerb ein hohes Potenzial. Istanbul kann das Gate nach Europa sein.

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